|
Der Preis für das fleißigste releasen gebührt jedoch MARTIN PHILADELPHY: Seine Diskographie wächst in atemberaubender Schnelle, keine Skug-Ausgabe in der nicht mindestens ein neues Album zu besprechen wäre. Mit „Ein Glück“ [Delphy Entertainment Rekords / Extraplatte] zeigt sich der Hunderttausendsassa als kongenialer Vertoner des verehrungswürdigen ROBERT GERNHARDT. Letzteren kennt man als Mitbegründer des Satiremagazins Titanic und als den, der die guten Witze des (ohne Gerhardt erzwergten) Otto Waalkes geschrieben hat. Doch mittlerweile gilt auch Gernhardts lyrisches Œevre zurecht als Teil des deutschen Literaturkanons, denn wieviel Philosophie und Witz Gernhardt mit minimalen Mitteln aus prunklosen, alltäglichen Beobachtungen destilliert, ist nachgerade unwahrscheinlich. Philadelphy beweist mit der Vertonung ein glückliches Händchen, indem er in klassischer Songwriter-Manier mit Stimme und Gitarre die Atmosphären plastisch darstellt, wohldosierte Akzente setzt und sich nie vor die Worte drängt. Obendrein ist er den starken Texten stimmlich zweifellos gewachsen, kann sanft insistieren ebenso wie Zynismus speien, findet stets den genau passenden Tonfall. Es scheint, als wäre P. hier von all seinen höchst unterschiedlichen Projekten am meisten bei sich. Diese Platte MUSS einfach im Feuilleton abgefeiert werden! (Stephan Sperlich, Scug 04.2008)
Ganz der Zappa Martin Philadelphy sitzt im Café und trägt einen Lendenschurz aus Hirschleder. Er verwendet das unkonventionelle Kleidungsstück, weil er selbst bei jeder Witterung mit dem Rad unterwegs ist. Gleichzeitig ist es auch eine Erinnerung an jene Zeit, als der heute 36-jährige Musiker einsiedlerisch im tiefsten Tiroler Wald wohnte und in einer Ganzkörpermontur aus Hirschleder herumgelaufen ist. „Die hatte ich auch bei meinem ersten ORF-Interview noch an“, sagt er und lacht. Unauffälliger Durchschnittstyp ist Martin Philadelphy keiner, aber das verdeutlicht bereits sein umfangreiches künstlerisches Schaffen, das mit Projekten wie „Paint“, „6to6 String Dezibel“ oder „Philadelphy – Martinek“ lose zwischen den Polen Artrock, Improvisation, Schräglagenjazz und Avantgardepop oszilliert und sich dabei nicht selten zwischen alle Stühle setzt. Seine Musik veröffentlicht der Tiroler auf dem eigenen Label Delphy Entertainment, das mittlerweile bei Katalognummer 020 angekommen ist, und Konzerte organisiert er ebenso selbst, wie er sich um die Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache kümmert. Sein Büro ist ein mit CDs und kopierten Pressestimmen gefüllter Rucksack, das Fahrrad sein Dienstwagen. Selbst Menschen, die ihm wohlgesinnt sind, bezeichnen Martin Philadelphy als Wahnsinnigen. Sie sagen das mit unüberhörbarer Wertschätzung für sein Werk, aber auch mit der Überzeugung, dass hier ein echter Freak am Start ist. „Wie viele Projekte ich schon hatte, weiß ich auswendig gar nicht, da müsste ich auf meiner Homepage nachschauen“, sagt der Musiker, der seit Mitte der Neunzigerjahre hauptsächlich in Wien lebt. „Ich bin einfach viel am Weg, und je mehr man am Weg ist, desto mehr passiert auch.“ Vor Jahren führte dieser Weg bis nach New York, wo Philadelphy nach adäquaten neuen Mitmusikern suchte. Geld hatte er keines, ebenso wenig Sicherheiten; geblieben ist er trotzdem ein Dreivierteljahr lang. „Irgendwo hatte ich Joe Zawinuls Privatnummer her. Als ich einmal gar nicht weiterwusste, habe ich ihn angerufen, ob er vielleicht einen Schlafplatz für mich hätte. Er hat nur gefragt, ob ich spinne.“ Philadelphy hat sich entschuldigt und den im vergangenen September verstorbenen Weltjazzer aus Erdberg nie wieder belästigt. Anderswo kommt seine Unverfrorenheit besser an: Obwohl der Gitarrist seit vielen Jahren ohne Krankenversicherung am Existenzminimum lebt, zieren seine Zähne vergoldete Kronen. Einer seiner Fans ist Zahnarzt, er bekommt automatisch jede CD geschickt, hat freien Eintritt zu allen Konzerten – und bezahlt dafür in Naturalien. „Ich habe irgendwann angefangen, mich anderweitig abzusichern. Wie mir das oft gelingt, weiß ich auch nicht. Einmal bin ich mit komplett kaputten Schuhen zum Gea gegangen und habe sie gefragt, ob sie nicht meine Schuhe als Beispiel dafür in die Auslage stellen wollen, wie intensiv man Schuhe tragen und wie fein sie selbst durchlöchert noch sein können, und ob sie mir dafür ein neues Paar geben können. Ich gehe mit der Einstellung an so etwas heran, dass das eh eine ganz normale Frage ist, wundere mich aber doch, wenn ich dann tatsächlich mit neuen Sachen rausgehe.“ Martin Philadelphy galt als hyperaktives Kind, aufgewachsen ist er in Heimen und Internaten. Seine Rebellion gegen Autoritäten aller Art endete damit, dass er mit 18 nicht einmal einen Hauptschulabschluss vorzuweisen hatte. „Ich wusste sehr früh, was ich für mein Leben brauche und was nicht, bei Prüfungen habe ich daher regelmäßig mit den Lehrern gestritten.“ Als Kind war er Tiroler Meister im Turnen, flog dann aber beim Turnverein hinaus, als er mit 13 zu kiffen begann. Bereits als Kind war Philadelphy klar, dass er später einmal Musiker werden würde, getan hat er die längste Zeit nichts dafür. Ein schwerer Radunfall an seinem zwanzigsten Geburtstag sollte das ändern. „Ich bin Vollgas gegen einen Schranken gefahren. In diesem Moment wusste ich, dass sich mein Leben ändern und ich endlich mit dem Gitarrespielen beginnen muss.“ Bereits zwei Wochen nach dem Kauf seiner ersten Gitarre zog der Autodidakt als Straßenmusiker los, das Beatles-Songbook im Rucksack. Brotjobs hat er seitdem keine mehr gemacht, alles steht und fällt mit der Musik. „Wahrscheinlich war ich da von Beginn an gleich stur wie in der Schule. Ohne Freunde oder auch Mäzene würde es sich zwar oft nicht ausgehen; dafür, dass nichts da ist, wundere ich mich aber oft, was ich alles zuwege bringe.“ Philadelphys erstes Soloprogramm wurde gleich zu seiner aufwendigsten Arbeit, für jeden Song hatte er eine eigene Verkleidung, eine eigene Lightshow. Die Tür zur lukrativen Kabarett- und Kleinkunstwelt stand mehr als nur einen Spalt breit offen. „Aber das hat mir nicht getaugt. Ein bisschen ein Kasperl muss man zwar sein, aber es war überhaupt nicht meine Schiene, ständig der Spaßmacher und Gute-Laune-Verbreiter zu sein.“ Von sich aus wollte Philadelphy genau zweimal in seinem Leben etwas gelernt bekommen, geworden ist beide Male nichts daraus. „Einmal wollte ich Gesangsunterricht nehmen, da hat der Professor nur gesagt: ‚Lass keinen an deine Stimme ran, du kannst drei Oktaven singen – sing, sing, sing!‘ Und einmal habe ich mich am Konservatorium ohne Vorwissen für die Kompositionslehre angemeldet. Die Kommission hat mich gefragt, welches klassische Stück ich spiele. ‚Zählt Frank Zappa jetzt schon zu den Klassikern?‘ war meine Antwort.“ Tatsächlich war der amerikanische Avantgardepopstar Philadelphys wichtigster Lehrmeister: „Ich besitze 72 Frank-Zappa-Platten, und ich kann sie alle auswendig. Da steckt eine Unmenge an Musikgeschichte drin, denn Zappa hat im Laufe der Jahre ja doch alles ausprobiert.“ Die neueste eigene Arbeit des bisweilen auch im Musical- und Tanztheaterbereich tätigen Tirolers ist seine bisher zugänglichste und ein klassischer Anwärter für die Rubrik „Prädikat: wertvoll“. „Ein Glueck“ vertont Gedichte des 2006 verstorbenen deutschen Autors, Satirikers und Zeichners Robert Gernhardt. Texte und Duktus erinnern an kritisches Siebzigerjahre-Liedermachertum, von dem sich Philadelphy aber durch sein diesmal sehr feingliedriges Gitarrenspiel unterscheidet, die vertonte Lyrik wird von der Musik zu einem Tänzchen gebeten. Das Zustandekommen dieser CD ist eine typische Philadelphy-Geschichte: Durch Zufall entdeckte der Musiker Gernhardts Gedichte und war davon so begeistert, dass er den Autor über dessen Verlag kontaktierte und ihn kurzerhand in dessen Ferienhaus in der Toskana besuchte, um ihm seine Vertonungsidee vorzustellen. Die Chemie stimmte, Philadelphy besuchte Gernhardt anschließend auch zuhause in Frankfurt; bis zur Fertigstellung der einmal mehr selbstproduzierten CD sollten dennoch mehrere Jahre vergehen. „Ich mochte bei Frank Zappa immer, wie konsequent er Aussage, Witz und Virtuosität eint, und genau dieser Humor in der Ernsthaftigkeit zeichnet auch Robert Gernhardt aus.“ Auf der Coverrückseite befindet sich ein Porträt des Musikers, das Gernhardt mit wenigen Strichen angefertigt hat: Philadelphy springt von einer Klippe, in der Hand hält er einen großen Ballon, in dem das Wort „Glück“ steht. „Gernhardt hat immer von Koexistenz gesprochen, wie wichtig das für ihn war. Seine Zeichnung beschreibt mein Leben sehr gut, und es ist urschön, dass er jetzt der Luftballon sein könnte, der mich auffängt." Gerhard Stöger im Falter | Wien 12/2008 vom 19.3.2008
Liebe auf das erste Gedicht Der Tiroler Gitarrenvirtuose Martin Philadelphy hat Gedichte von Robert Gernhardt den Blues eingehaucht: “Ein Glueck”. Innsbruck - Im Gedicht fand der 2006 verstorbene deutsche Autor, Satiriker und Cartoonist Robert Gernhardt die adäquate Ausdrucksform, um die Schräglagen des Lebens auf den Punkt zu bringen. Martin Philadelphy findet diese Form in der Musik. Und fand vor einigen Jahren Zugang zur Lyric Robert Gernhardts: Es war Liebe aufs erste Gedicht - und es entstand der Wunsch, diese Worte zu vertonen. Der Frankfurter Dichter und der Tiroler Gitarrist verstanden sich auf Anhieb, Philadelphy machte sich ans Werk: Nun, knapp zwei Jahre nach Gernhardts Tod, liegt ein ebenso eingängiges wie außsergewöhnliches Album vor, das mit viel Gespür für die sanfte Ironie der Texte und mit großer musikalischen Intensität ausgestattet ist. “Ein Glueck” wird heute 19.30 Uhr Im Kunstraum Innsbruck präsentiert. “Ein Glueck”, dass Philadelphy diese Platte gemacht hat. (Tiroler Tageszeitung, April, 2008/ Jel.)
Wofür Martin Philadelphy genau steht, konnte bisweilen trotz großen Bemühens kaum in rosische Satzschachteln gepackt werden. Nur eines ist sicher: Ein experimentierfreudiger Klangwolkenbastler der dritten Art ist er und Konventionen und Stile in ihrer Starrheit zu brechen, dürfte ihm besondere Freude machen. Ein ziehmlich schräger Typ. (Sandra Rose, 02.2008)
Titanic - Autor Robert Gernhardt kommt zu Bühnenehren 2 Jahre nach dem Tod des berühmten Schriftstellers Robert Gernhardt bringt Martin Philadelphy ein Album mit vertonten Gedichten des Deutschen heraus. Über die Zusammenarbeit, oder den Beweis der Seelenverwandschaft. Es gibt Projekte die unausweichlich scheinen. Dessen Entstehungsumstände so drängend und Zeichen gebend sind, dass man rangehen muss. So oder ähnlich dürfte es Martin Philadelphy gegangen sein, der sich durch eine Verkettung von glücklichen Zufällen in der Situation befand als unbelesener (Eigenbezeichnung!) Musiker die Gedichte von Robert Gernhardt zu vertonen. Philadelphy wurde dabei von Gernhardt persöhnlich ermutigt und es gab auch Pläne die CD gemeinsam zu promoten. Im Sommer 2006 erlag der vielfach preisgekrönte Lyriker aber einer langjährigen Krebserkrankung und konnte die musikalische Verbreitung seiner Werke nicht mehr erleben. Gernhardt und Philadelphy teilen verworrene Wege zu ihrer Kunst. Beide versuchten sich in vielen verwandten Bereichen ihres Schaffens. Waren es für Gernhardt neben dem Schreiben das Karikaturieren und Malen, sind es für Philadelphy das Djing und die Arbeit als Schauspieler und Filmemacher. Angesichts der Hörproben in unserem Archiv, die im Falle des umtriebigen Philadelphy lange zurück reichen, sind wir schon sehr gespannt das Ergebnis dieser Zusammenarbeit in Händen zu halten. (SRA, 03.2008)
Von Martin Philadelphy (kein Künstlername, wie er betont) liest man genau: nichts. Dabei ist der in Wien und überall auf der Welt lebende Tiroler ein fantastischer Sänger und Gitarrist - und darüber hinaus geradezu ein Geschenk für Journalisten: Ehemaliger Turnmeister, ehemaliger Einsiedler, Theatermensch, Lebenskünstler der sich im Zuge eines Erweckungserlebnisses nach einem Radunfall selbst das Gitarrenspielen beibrachte... Vermutlich liegt es daran, dass sich der fanatische Frank Zappa - Exeget Philadelphy so konsequent zwischen die Stühle setzt. Was sich nicht schubladisieren lässt, macht Journalisten Angst. Das neueste Werk des Vielarbeiters lässt sich aber eh ganz gut beschreiben Auf “Ein Glueck” (Delphy Entertainment Rekords/ Extraplatte) vertonte Philadelphy Gedichte des 2006 verstorbenen genialen Satirikers Robert Gernhardt. Philadelphy´s vituoses, aber nie eitles Spiel und sein markanter, lapidarer, aber warmer Gesang und Gernhardts Texte passen wunderbar zusammen: Die Grundfarbe hier ist ernster Witz bzw. witzige Ernsthaftigkeit. Am 1. Mai spielt Philadelphy beim Strassenfest der “Blue Box” in Wien. Dringendst empfohlen!! (Kurier, 04.2008, Tartarotti)
Worte und Töne als Einheit Martin Philadelphy ist der musikalische Nachlassverwalter von Robert Gernhardt. Vom ernsthaften Humoristen zum anerkannten Lyriker. Robert Gernhardt, er wurde am 13. Dezember 1937 in Estland geboren und starb am 30. Juni 2006 in Frankfurt am Main, galt lange als Humorist, da er bei dem deutschen Satiremagazin “Titanic” einer der wichtigsten Autoren war und auch für die Drehbücher der Filme von Otto Waalkes verantwortlich zeichnete. Erst in den letzten Jahren wurde er als großartiger Lyriker er- und anerkannt und gilt heute als einer der wichtigsten deutschen Literaten. Dieser Mann hat es dem Tiroler Musikers Martin Philadelphy angetan. Philadelphy bekam ein Buch geschenkt, fing an zu lesen und war plötzlich gefangen in der Welt von Robert Gernhardt. “Dieser Mann schrieb, was ich dachte, was ich fühlte, ich war beeindruckt von seinen Gedankengängen.” Philadelphy fing an, die Gedichte von Robert Gernhardt zu vertonen und wollte den Literaten kennen lernen. Er schrien ihm, schickte ihm Demos und Gernhardt war aus dem Häuschen. Genau so hatte er es sich immer vorgestellt, er hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, seine Texte zu vertonen. “Für die Ewigkeit”, wie er sagte Es entwickelte sich eine kurze, aber intensive Freundschaft, Gernhardt konnte das vertonte Material noch sichten, eher er 2006 starb. Jetzt liegt die geniale (erste) CD mit der Literaturvertonung vor, und Martin Philadelphy bekam die Rechte vom Fischer Verlag für weitere Arbeiten mit den Texten von Robert Gernhardt. (Concerto. 06.2008, Krondraf)
Robert Gernhardt - Martin Philadelphy/ Plötzlich ein Stopp - Schild Ein Vertreter der Neuen Frankfurter Schule trifft einen jungen Wiener Musiker, stirbt und lebt weiter auf dessen Album, das »Ein Glück« heißt. Wer das lustig findet, sollte Martin Philadelphy kennen lernen. FAST WÄREN SIE Humorweltmeister geworden, die Deutschen, hatten sie doch mit Wilhelm Busch und Karl Valentin mindestens zwei..., aber, oops, dann kam ein Mann aus Österreich mit Stutzbärt-chen und strengem Seitenscheitel und zeigte der Welt, dass die Deutschen recht ernst zu nehmen sind. Vielen blieb daraufhin das Lachen im Hals stecken, und die Humorkritik geriet so nachhaltig, dass niemand so wirklich lachen wollte, als der Neue Deutsche Welle Sänger Markus 1982 trällerte »Ich will Spaß, ich geb' Gas«. Was damals niemand wusste: knapp zwanzig Jahre später hat sich Deutschland in eine reine Spaßgesellschaft verwandelt, und zwar so total, dass der ärgste Sozialabbau ebenso mit einem Lachen begrüßt wird wie das Heer von Komikern, die sich heute »Comedians« nennen und das Volk mit Pointen quälen, die schlecht genug sind, um bei jedem, der sie hört, zu sofortiger Hirnleere und damit zum Verlust der Fähigkeit zu führen, zwischen Humor und »Humor« zu unterscheiden. Blöd ist, wer trotzdem lacht - und niemand hätte das besser gewusst als Robert Gernhardt. Dass er dabei geholfen hat, dieser Spaßgesellschaft den Weg zu ebnen, wird er eher nicht gewollt haben. Dass er einer der Gründungsväter des Neuen Deutschen Humors ist, dieses Ehrenlob hat er aber wohl mit ins Grab nehmen dürfen. Gernhardt war ein Sprachartist, der Form und Sprachsinn ernst nahm; und wenn die plattesten Reime in Sonettform daher kamen, konnte man umso besser über sie lachen, je härter das Schulwissen um Versformen erarbeitet war. Er pflegte zudem eine Form des Humors, die dem normalen Sein und der Sprache einen Hinterhalt legte - und dieser Hinterhalt konnte nur funktionieren, solange das Leben in geordnet-normalen Bahnen verlief. So verwundert es nicht, dass sein Humor besonders in den sechziger und siebziger Jahren blühte, damals, als Normalität noch eine begehrte Lebensqualität war und Gernhardt mit Freunden Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule war und in den Zeitschriften »Pardon« und »Titanic« Lach- und Sachverstand lehrte. So sehr sein Name mit dem dieser Satire-Magazine verbunden ist, so wenig lässt er sich von dem Ottos trennen, für dessen Bücher und Shows er gemeinsam mit Bernd Eilert und Peter Knorr als Autor füngierte. Ottos beste Zeiten sind nun schon lange vorbei, doch bis heute mag man sich Gernhardts Texte nicht anders vorgetragen vorstellen als durch einen offensichtlich unter Auffälligkeitssyndrom leidenden Norddeutschen, der mit Quietschlauten den Überschlagkasper mimt und, bei allem Klamauk, den Gernhardt'schen Texten in geradezu kongenialer Weise eine Leichtigkeit verleiht, die ansonsten im komischen Fach eher selten zu haben ist. Und nun kommt ein kleiner Mann aus Österreich und fordert die Humorprobe: Martin Philadelphy. Seine Vita kennen zu lernen, heißt, mit Plötzlichkeiten rechnen zu lernen. Lange genug brauchte er etwa, um 21 Jahre alt zu werden. Doch dann, als es so weit war, »materialisierte sich«, so erzählt er, ein Stopp-Schild per Unfall in seinen Körper und in sein Leben hinein und erzwang die Erkenntnis, unbedingt Berufsmusiker werden zu müssen. Dann, eines weiteren Tages, während seiner Arbeit als Krankenpfleger, kam ihm die Idee, im nächsten Moment kündigen zu müssen, sich eine Gitarre zu kaufen und mit Beatles-Songs auf den Straßen der Welt zu reüssieren. Die Tagesschicht brachte er gerade noch zu Ende. Heute, knapp 15 Jahre später, gilt Philadelphy als einer der umtriebigsten Improvisationskünstler Österreichs, und wie es sich gehört, hat er gleich mehrere Projekte, »vier oder fünf«, in Arbeit. Mit Paint frönt er einer konzeptionell konzentrierten Form der Improvisation, mit 6to6 String Dezibel leben er und fünf Gitarristen den Traum eines Gitarrenorchesters aus - wobei in diesem Fall aber jede Gitarre nur eine Saite hat, der Zusammenklang zum Akkord, bei Beatles-Coverversionen etwa, noch gefunden werden muss. Mit Missing Dog Head tourte er durch Portugal, in Japan würde er gerne bekannter sein, in New York hat er mit Marc Ribot gespielt und wenn in der New Yorker »Village Voice« Alben von ihm empfohlen werden, freut er sich. Nächstes Überraschungsmoment: eine Freundin schenkte ihm ein Buch von Robert Gernhardt. Philadelphy durchfuhr es wie ein Blitz. »Das war Liebe, Seelenverwandtschaft auf's erste Gedicht. Wie ist es möglich«, sagt er, immer noch schwer atmend unter dem Eindruck der Lektüre, »dass ein Mensch, den ich nicht kenne, Dinge schreibt, die mich seit Jahren beschäftigen. Mir kam es vor, als hätte er vor jedem Gedicht, das ich las, einen Blick in meine Seele geworfen.« Ein Blitz, 1999, und der Donner kam dann ebenso plötzlich, einige Jahre später: »2001 dachte ich zum ersten Mal daran, Texte von Robert Gernhardt zu vertonen. Wenn er mir so intensiv aus der Seele schreibt, dann habe ich vielleicht genau die passende Musik dafür in Kopf und Bauch. Und dann las ich, dass er einen Komponisten für seine Texte suche. Ich dachte mir sofort ,Er sucht mich schon'! Noch am gleichen Tag schrieb ich ihm, dass ich derjenige sei, den er suche.« Kurze Zeit später saß er im Zug nach Frankfurt. »Es war wie ein Besuch bei einem alten Freund. Wir verstanden uns prächtig! Gernhardt gefielen meine Vertonungen. Er hat sie sogleich mitgesungen«. Wer nun denkt, Philadelphy wandele bei der musikalischen Interpretation der Texte Gernhardts auf den Spuren des hyperaktiven Ostfriesen, muss umhören lernen: Philadelphy singt, bei eigener Gitarrenbegleitung, mit dem Ernst und der Schwere eines russischen Existentialsängers, muskulös und robust, weit weg von ottonischer Flappsigkeit. »So ein Schenkelklopf-Humor ist nicht meine Sache«, antwortet er auf die Frage nach dem Wie und Warum seiner Interpretation, die ihm, so freut er sich, in Person der Regisseur-Legende Claus Peymann sogar schon einen Promi-Fan eingebracht hat. Dass der existentielle Ernst, der, bei allem Witz, aus der »Ein Glück« genannten Einspielung durchklingt, etwas damit zu tun hat, dass Gernhardt zum Entstehungszeitpunkt bereits mit der Ordnung der letzten Dinge beschäftigt war - er wusste seit 2002 von seiner Darmkrebserkrankung, an der er am 30. Juni 2006 verstarb - verleiht dem Album eine besonders tragische Note. »Zu den geplanten gemeinsamen CD-Präsentationen ist es dann leider nicht mehr gekommen«, wie Philadelphy bedauernd fest stellt. So ist das. Irgendwo materialisiert sich immer ein Stopp-Schild. Plötzlich und unerwartet, manchmal aber auch mit tödlicher Langsamkeit. Humorweltmeister wird nur, wer grade deswegen lacht. (HARALD JUSTIN, Jazzzeit, 07.08)
> Martin Philadelphy vertont Gedichte des „Titanic“-Autors und Otto-Witzeschreibers Robert Gernhardt, das Ergebnis trägt den Titel „Ein Glueck“. Robert Gernhardt (1937–2006) war Mitbegründer des deutschen Satiremagazins „Titanic“ und schrieb irgendwann einmal sogar Gags für Otto Waalkes. Ab den Neunzigern machte sich Gernhardt auch als Lyriker einen Namen. Der Tiroler Musiker und Allroundkünstler Martin Philadelphy hat jetzt ausgewählte Gedichte des Frankfurter Autors vertont – das Ergebnis trägt den Namen „Ein Glueck“ und ist auf Delphy Entertainment Rekords / Extraplatte erschienen. Für Philadelphy war das Projekt eine Herzensangelegenheit. „Ich habe 1999 das erste Buch von Robert Gernhardt gelesen. Ich war buchstäblich aus dem Häuschen.“ Für Philadelphy ist die Platte deswegen auch viel mehr als eine reine Lyrik-Vertonung: „Da seine Gedichte genau die Dinge behandeln, die mich bewegen und beschäftigen –mit einem Humor, der von mir sein könnte ¬ und ich daraus Musik schaffe, die vielleicht von Robert Gernhardt sein könnte, entsteht eine neue geballt-konzentrierte Einheit. (6020, 07.2008)
„Ein Glück“ mit Martin Philadelphy und Robert Gernhardt im Palais für aktuelle Kunst „Ein Glück“, dass Jan Wallraf vom Kunstverein PAK Martin Philadelphy zufällig in Berlin gehört hat. Glück für die 150 Glückstädter, die im Palais für aktuelle Kunst Texte von Robert Gernhardt und die Musik von Martin Philadelphy genießen konnten. „Ein Glück“ heißt das Robert-Gernhardt-Programm des 1971 in Tirol geborenen Martin Philadelphy (dies ist kein Künstlername!), das es auch auf CD gibt. Auf die Idee Gedichte von Robert Gernhardt zu vertonen, kam der vielseitige Künstler vor einigen Jahren. Ihm fiel ein Gedichtband des Autor, Satirikers und Zeichners in die Hände und es war „Liebe auf das erste Gedicht“. Philadelphy suchte sofort nach der Lektüre über Gernhardts Verlag Kontakt zum Autor und besuchte ihn wenig später in dessen Ferienhaus in der Toskana. Die beiden lernten sich kennen und mochten sich. Die fertige CD hat Gernhardt allerdings nicht mehr hören können; sie erschien zwei Jahre nach seinem Tod. Herausgekommen ist eine wundervolle Synthese aus den komischen wie auch tragischen Texten Robert Gernhardts und der musikalischen Umsetzung von Martin Philadelphy. Der Tiroler stellt sich dabei nicht vor Gernhardts Texte, sondern verstärkt mit seinem Blues und seiner Fender Telecaster ihre Wirkung. Die erste Gitarre kaufte sich Martin Philadelphy nach einem Fahrradunfall an seinem zwanzigsten Geburtstag. In diesem Moment wusste er, dass er sein Leben zu ändern hatte. Das Gitarrenspiel brachte er sich selber bei, eine großartige Stimme, die drei Oktaven schafft, tut das Übrige. „Dieses Konzert ist nur der Auftakt einer Reihe Veranstaltungen“, kündigte Jan Wallraf an, „die ihren Platz neben der bildenden Kunst in diesen tollen Räumlichkeiten finden soll.“ Spätestens im nächsten Kulturmärz steht Bob Dylan auf dem Programm. (Glücksstadt, Iris Apenburg 10.2008)
Ein Probestückchen Fußgängertunnel in die U-Bahn-Station "Lübeck Beckergrube", das könnte die cafèbargallery „Cole Street“ durchaus sein. Aber in dieser Vision von einem toten allegorischen Seitenarm jener fast vergessenen Lübschen Idee, sich die Großstadt von einer U-Bahn her aufzuzäumen, hat es Tresen, eine Sammlung Nachttischlampen hängt aus Pechschwarzdecke über Kistentische herab, Sofas stehen nahe der Wand, schräge Designer-Easyrider-Stühle in Bonbonfarben kippen scheinbar in den Raum, irgendwie chic-modern das alles, süß, familiär, heimelig. Und – ein wenig surreal. Ein sauberes, angenehmes bisschen surreal ist das. Gefüllt wie eine Praline mit allem, was man in einer Chaise-lounge-Oase unter dem Abendstern für exotische Vögel und die bedürftige nächtliche Karawane so braucht. Hat man drinnen die erste Tunnelstückhälfte durchquert, geht’s eine kleine Treppe hinauf, und da, links an der Wand, hat sich, wie in den Fußgängertunnels jeder Weltstadt üblich, ein Straßenmusikant sein Plätzchen auserkoren, Stühlchen aufgestellt, Equipment aufgebaut. Dieser Straßenmusiker, der, einen breiten Durchgang zu den Toiletten freihaltend, was sich nachher noch als durchaus notwendig erweisen sollte, links oben an der Wand sein Fleckchen eingerichtet hat, um, wie er später sagen wird, „um die Ecke“ zu spielen, ist ein Österreicher! Ja, Ausrufungszeichen! Martin Philadelphy, schöner Name, muntrer, leutseliger Typ, hat, so ist es verkündet worden, Robert Gernhardt „vertont“. Samt „Lübeck-Gedicht“, so hat man gehört. Und das ist wahr. Martin Philadelphy spielte eine Telecaster. Ein Stück Melodieanfang nahm er auf die Endlosschleife, gelegentlich noch ein zweites Stückchen zwischendurch, und auf diese spielte er dann sozusagen live das ganze Stück. Gekonnt spielte er das, sicher und sauber. Die Melodien sind reichhaltig, routiniert generös, also von Natur großzügig, ohne je verspielt oder überfrachtet zu wirken. Gernhardts Querelen singt er mit angenehmer Stimme. Ohne jeden Akzent; nur wenn er zwischen den Stücken sprach, war er gnädig, dann hörte man ein mildes Österreichisch. Oh, das ist mir Balsam! Er sang und spielte eineinhalb Stunden mit Zigarettenpause, und vor dieser den „Sonntag in Lübeck“. Zwei drei Leute waren wohl im Raum, die hätten sicher gern dazu geschunkelt. Gernhardts solidarisch Gleichgesinnte, die auch nicht wissen, wie man es schafft, die nicht zu hassen, denen sie nach Gernhardts Beschreibung doch zum Verwechseln ähnlich sind. Sie schlagen sich auf seine Seite, und warum nicht? Mir war zu der Zeit, als ob mir diese seltsame, leicht morbide Eintönigkeit, die das Konzert annahm, da es aus einem Reigen irgendwie 1. Grades miteinander verwandter Melodien zu bestehen schien, als ob mir das bekannt vorkommen müsste. Ich fragte mich, in Gedanken das R rollend, ist das verschrammelt? Verschrrrammelt!? Nein. Aber das wars! So war es ermittelt: „Kottan“! Haben Sie je „Kottan“ gesehn? „Kottan ermittelt“? Nein? In einem Film, in dem schon der Wiener Schauspieler Resitarits den Kottan spielt (er hat einen Assistenten, „den Schrammel“, deshalb kam ich drauf), tritt das gesamte Ermittlerteam als Rock´n Roll-Band in einem leeren Saal auf. Gitarre, Kontrabass, Micro, alles da, aber es ist Ricky-Nelson(?)-Karaoke, als ob es keine wär. Das Lebensgefühl, die Stimmung, das nicht zufällig willkürliche Arragement surrealer Persönlichkeiten, Situationen und Szenen, alles dermaßen absurd, dass nur das passt und echt ist. Großartig, trockener, ein wenig hallender Irrwitz einer Operettenwelt. Und mit beiden Beinen in ihr zu stehn, sich zu arrangieren und dieses Arragement vorzuführen, daraus einen Kontrast zu beziehen, ist die Kunst. Martin Philadelphy in einem toten Arm einer Lübecker U-Bahn-Fußgängertunnel-Vision, die eine cafèbargallery ist, an die Wand gequetscht, um nicht einer eiligen Menschenmasse, sondern Gästen zur Retirade breitesten Weg zu lassen, ein Österreicher, der Robert Gernhardt vertont hat mit Ton der E-Gitarre, das „Große Glück“, dass ein sterbender Spatz nicht schrein kann, mit „tschieptschiep“ kommentiert – war mit Text und Ton und mit allem Lübeck drum und dran surreal von seltener Stimmigkeit. Feen huschten mit Getränken hin und her, ein hocherfreulich engagierter Fotograf, achtsam respektvoller Blitz, junge Frauen, älterer Herr neben mir, der vor Freude hüpft, als "Sonntag in Lübeck" angekündigt wird, eine Grobgestrickte, ich incognito. Eine Wiener Melange. Ein wenig Hall. War das 100% wirklich? Ein bisschen abgeschabtes Leben? Draußen dann an einem großen Tisch auf dem Trottoire Leute. Desinteressierte. Die Lübsche Karaoke. Ja, das. (Martin Klingel, Unser Lübeck, 09.2008)
SO EIN GLÜCK! Martin Philadelphy (dieser Name -so wenig künstlich wie die gesamte Person - ist 100% klangecht!) ist kein liederlicher, dilettantischer Spielmann, sondern ein edler "Songritter", der schon in so manchem Drachenblut (des Lebens und der Kunst) gebadet hat! Die Umstände haben ihn die hehre Kunst der Lebens gelehrt, alles andere brachte er sich selbst - und uns - bei! Ob es avantgardistischer Jazz, schräge Pop - Projekte oder tolldreistes Songrittertum war und ist, überall vermochte er zu bestehen. Vielleicht war dies eine oder andere Produkt anstrengend (auch für den Hörer!) niemals jedoch waren seine Ergüsse saftlos! Nun aber hatte er ein besonderes Glueck, weil der vielgerühmte deutsche Poet Robert Gernhardt den Martin Philadelphy gerne hat, doch die Bekanntschaft mit Gernhardt ist die Frucht harter und konsequenter Philadelphyscher Arbeit: Irgendwann fiel dem Tiroler Kraftkerl ein Gedichtband des ausgezeichneten Dichter in die Hände und das wars dann auch! Auf seine so herrlich unverfrorene Weise näherte mph sich dem weiteren Werk dieses Künstlers, vor allem aber der Person an, so wie er das schon in der Vergangenheit öfters und offenbar doch recht erfolgreich praktiziert hat - mit wenigen Ausnahmen, was aber mehr die "Heimgesuchten" beschämen musste (unter anderem einen weltbekannten österreichischen Jazzer, der ihn ziemlich uncharmant den Zutritt zu seinem Leben und seinem Heim verwehrte! Sei´s drum! Derselbige ist eh tot! Vergelts ihm Gott, wie auch immer!)denn Philadelphy selbst. Philadelphy ist aber beileibe kein ungeschlachter, respektloser Banause, der über andere Leben hereinbricht, sondern seine Sinne sind lediglich unverfälscht und bar jeglichen bildungsbürgerlichen Ballasts und unnötiger Konventionen. Ausgestattet mit der Fähigkeit genau zu schauen und immer wieder zu staunen nahm er also völlig unakademisch, dafür aber umso kaltblütiger persönlichen Kontakt mit Gernhardt auf - und siehe da, da hatten sich zwei gefunden!Die segensreiche Freundschaft zwischen Philadelphy und dem großartigen Satiriker Gernhardt bescherte Philadelphy u.a auch einen Ballon (zu sehen ist dieser auf der Coverrückseite), der mph offenbar "weiter und noch höher zu führen" vermochte. Das Ergebnis dieser Zusammenkunft ist diese CD, auf der Philadelphy verschiedene Texte gekonnt zu Musik macht. Mit bewusst sparsamen MItteln, - zumeist Akkustikgitarre, manchmal etwas E-Gitarre und selten ein bisschen elektronische Spielereien wie Loops verzaubert Philadelphy die poetischen Worte und Gedanken Gernhardts in Töne. Und es sind nicht simpel gestrickte Strophe - Refrain - Stücke, sondern hierbei handelt es sich um "aufgeklärtes" Liedermachertum. Schöne Melodien, musikalische Einfälle werden abwechslungs - und ideereich bisweilen auch mit schrägeren Elementen versehen, dergestalt angetan, die Texte noch besser zu transportieren. Wie schon erwähnt, litt Philadelphy in der Vergangeheit nicht an zu wenig, sondern oftmals an zuviel Inspiration, mit der er seine Hörer schon mal überforderte. Bedingt aber durch dieses textliche Überkleid werden mphs Ideen gebändigt, ohne aber, dass sie dabei in ein allzu enges Korsett gezwängt werden. Zu den kompositorischen Fertigkeiten kommen noch eine ausdrucksstarke, variationsreiche Stimme (mal männlich muskulös, dann wieder fast schon effeminiert, so ein wenig mit diesem bisschen lockeren Handgelenk?!) hinzu und - nicht zu vergessen - auch ein gerüttelt Maß an schauspielerisch - komödiantischem Talent. Wer so begnadet ist, dem kann man schon mal ruhig eine Ode an die Klorolle, an marode Körper, die an die See gebracht werden müssen, anvertrauen und sogar "Liebe, Futter und Socken" in einem Atemzug nennen lassen - stets wird er es verstehen, uns einen außergewöhnlichen Blickwinkel auf das scheinbar so Banale zu vermitteln. Ohne die übrigen Arbeiten Philadelphys schmälern zu wollen, kann doch vermutlich gesagt werden, dass "Ein Glueck" die konzentrierteste Arbeit Philadelphys ist und, das ist durchaus auch im mehrdeutigen Sinn des Wortes zu verstehen. Philadelphs Vertonungen stellen demnach eine schöne Möglichkeit dar, das gekonnte Gernhardtsche Wort sogar noch zu erweitern! (Thomas Scherhammer, 11/2008)
|