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Die Sheriff's von Nottingham Zwei akustische Gitarren befassen sich mit Un- und Möglichem in durch und durch eigenkomponierten Stücken auf deutsch, tschechisch und englisch. Neben Vertonungen von Robert Gernhardt-Gedichten, spielen die Sheriffs auch ein umfangreiches instrumentales Programm: ungeheure Spielfreude gepaart mit dem exzellenten Zusammenspiel zweier Gitarren. Die Grenzen zwischen komponierter und improvisierter Musik scheinen ineinander überzugehen und trotz vieler Noten gibt die Kommunikation genug Platz zum Berstehen. Die grosse Menge wird uns nie begreifen...die Pfeifen (Robert Gernhardt)
Martin Philadelphy ist ein wahrlich erstaunlicher Künstler und das in jeglicher Hinsicht. Bei ihm verdichtet sich sein ganzes Sein zu einer einzigartigen und bemerkenswerten Kunstfigur. Wohlgemerkt soll das nicht heißen, dass Philadelphy nicht authentisch sei - ganz im Gegenteil. Diese von ihm geschaffene Gestalt ist seine Wahrheit. Philadelphy macht Musik - zufällig. Genauso gut könnte er auch schreiben oder malen, - oder lachen. Ein herzerfrischendes, in dieser Weise nahezu nie zu hörendes Lachen, welches aber zugleich durchaus auch imstande ist, dich im innersten Mark zu erschüttern: Es ist einfach ehrlich und erschütternd zugleich deswegen, weil es dem Wahnsinn so verdammt nahe ist. Und genau so ist seine Musik. Oder sollte man vielleicht besser seine "Musiken" sagen. Denn wenn jemand vielleicht so vermessen sei, zu glauben, dass sich der urwüchsige Tiroler bequem in irgendeiner Schublade lagern ließe, dem springt Philadelphy mit seiner Kunst an und packt ihn an der Nase. Er hat in seiner Karriere schon viele Stile in sich aufgenommen und hinter sich gelassen. Da wäre nun einmal seine musikalische "Urzeit" zu erwähnen, in der er im Geiste eines von ihm geschätzten Künstlers, Frank Zappa, musizierte, also das Komische mit dem Tragischen, das einzig Venünftige mit dem komplett Durchgeknallten etc. zu vermischen und dabei neue Gültigkeiten zu schaffen wusste. Wenn man schon nicht anders an ihn herankam, dann auf diese Tour, nämlich seine Musik immer wieder als "zappaesk" zu bezeichnen - ärgerlich, weil man damit sowohl den verstorbenen Altmeister als auch den jungen Kollegen wiederum auf etwas zu reduzieren suchte, was so einfach nicht stimmig ist. Wie auch immer, irgendwann hatte es Philadelphy satt, in einem Atemzug mit Zappa genannt zu werden und machte - typisch für ihn - was ganz anderes (oder doch nicht!?): Und so begab es sich , dass die "Sheriff's von Nottingham" freudig die Seiten wechselten und sich Robin Hood im Sherwood Forrest anschlossen, um es aber noch wilder als die Verfemten zu treiben - aber stets im Dienste einer ausdrucksstarken musikalischen Idee, einer Idee, die sich nicht auf ihrer Schönheit ausruht, sondern immer auf der Suche nach der nächsten Idee ist ,und sich dabei weiterentwickelt. Dergestalt entstand ein Album, das seinem "Outfit" nach zu schließen (Pappkartonhülle, wie irgend so eine billige Werbe Cd!) eigentlich nichts wirklich aufregendes zu verheißen scheint, doch macht man sich die Mühe (bei Philadelphy sowie auch bei jeder anderen anspruchsvollen und guten Musik! -ja, ja der pädagogische Fingerzeig!) genau zu zuhören, dann verwandelt sich die äußerlich billig gemachte CD zu einem wahren Schatzkästchen: Wo soll man anfangen darüber zu schwärmen, wo aufhören? Da ist zunächst einmal wirklich erstaunlich, was lediglich zwei akustische (und manchmal auch elektrisch angehauchte) Gitarren hervorzubringen sind. Jemand der glaubt, das höchste der Gefühle, das von der akustischen Gitarre ausgeht, sei es Lagerfeuerromantik hervorzurufen, der solle seine Ohren an "Aufundzuundabundan" heranführen; wer Ohren hat zu hören, der wird wirklich "Ohren machen". Auf dieser Cd findet man was das Herz begehrt. Egal ob man etwas für den Liedermachergestus übrig hat (mit sehr intelligenten Texten), oder ob bluesige Stimmen gefragt sind, ein Gefühl für unsterbliche (fast schon "Beatles-artige") Melodiegeniestreiche, mit all dem kann der Innsbrucker Gitarrist aufwarten. Und wie gesagt, es scheint fast, als hätte Philadelphy einen Schwur getan, nämlich jegliche musikalische Langweile vermeiden zu wollen. Hier ein Thema, wunderschön, originell in seiner Art, aber schon wieder vorbei, schon stürmt Phiiadeiphy weiter, ruht sich nicht aus und lässt auch seine Zuhörer nicht ausruhen. Mag sich auch seine jugendliche "Sturm - und Drang" - Periode am Anfang seiner musikalischen Karriere dem Alter gemäß ein wenig gelegt haben, so darf man sich jedoch nur nicht täuschen; immer noch hat er was von einem "heiligen Narren" aus dem "heiligen" (oder doch nur schönen ?!) Land Tirol, der wohl schon einigen Dämonen im Laufe seines Lebens ins fratzenhafte Antlitz geblickt hat und daraus seine Wahrheiten schöpft - und uns bisweilen nachdenklich stimmt, uns aufrüttelt und auf Wahrheiten hinweist, die in ihrer scheinbaren Banalität nur den Banausen schmerzen, weil Phiiadeiphy dergestalt zeigt, wo es lang geht oder mit Philadeiphys Worten gesprochen - "was ein Panzerknacker so drauf hat." So sind schließlich und zusammenfassend gesprochen, die "Sheriff's von Nottingham" zweifellos das zugänglichste, das kompakteste und - meiner bescheidenen persönlichen Meinung nach - das Gültigste, was Philadelphy bis dato geschaffen hat. Hier wird jemand, der nur irgend so etwas besitzt, das man Ohren nennen könnte, aufs Höchste zufriedengestellt und ich denke, er kann mit dieser CD, wenn sie auch entsprechend unters Volk gebracht wird, durchaus mit regem Zuspruch rechnen. (Rihno Rhinozeros, 11. 2003)
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