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Ein Mann mit dem Schalk im Nacken Martin Philadelphy drei Mal live im Innsbrucker Provinztheater. Das Provinztheater: ein kleines, nichtsubventioniertes Theater in Innsbruck, das es sich zum Ziel setzt, junge Schauspieler und künstlerische Talente in guten, auch unkonventionellen Theaterstücken und diversen Rahmenprogrammen zu fördern. Ein Teil dieses ehrgeizigen Vorhabens ist die "Siam Poetn"-Reihe. Der junge Künstler, der dabei ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurde, heißt Martin Philadelphy. Er begann mit dem einstigen Gitarristen und Sänger von HCL Duokonzerte zu spielen, war Mitbegründer der Hardcoreband Panaroma und übersiedelte schließlich nach Wien. Dort traf er auf die Tiroler Erfolgsformation "Die Knödel", die ihn spontan einlud, das Vorprogramm der laufenden Österreich-Tournee zu bestreiten. Nach den ersten Erfolgen auf heimischen Konzertbühnen arbeitet Martin Philadelphy jetzt an seiner ersten CD, die auf Trikont erscheinen wird. Martin ist ein Unikum. Einerseits ist er ein guter Musiker mit einer unüberhörbaren Vorliebe für Franz Zappa, andererseits fällt es ihm leicht, seine Konzerte immer mehr in ein Kabarett umzuwandeln. Und mit Floh Kmet hat sr einen profunden Gitarristen als Unterstützung. Im Provinztheater präsentierte nun der Herr in mittelalterlicher Kleidung sein neues Programm "Alles Klassisch". Was für Martin alles klassisch bedeutet, war ein Rundumschlag in vielen Bereichen der Gesellschaftsstrukturen der heutigen Zeit. Mit ironischem Witz und Ehrlichkeit beschämte er vor allem das Thema Nummer eins, die Liebe. Unverfrorenste Meldungen kamen da aus seinem Munde, so mancher wohisituierte Zuschauer wußte nicht mehr, ob ihm zum Lachen zumute war oder ob ihm der Schock eines so unheiligen Pornos im Nacken saß. Martin hatte auf alle Fälle den Schalk im Nacken Ohne sich bloßzusteller sagte und sang er nur das, was ohnehin in jedermann(frau)s Köpfen herumschwirrt. Mit der Ausstrahlung eines modernen Minnesängers gelang es ihm auch, Punk. Hardcore und Rock'n' Roll derart klassisch umzusetzen, daß Begeisterungsstürme folgten. Wem das alles zu banal wurde, mußte zumindest zugeben, daß Martin eine begnadete Stimme besitzt. Das "Stimm-strument" ergoß sich mit Vielfalt im Provinztheater und bald könnte Martin soweitsein, mit fast jedem Stimmenwunder eines Voicesfestivals zu konkurrieren. Doch Martin bleibt vorerst ein kauziger Gnom im Ledergewande, der kein Blatt vor den Mund nimmt. (Jochen Hampl, Concerto 02. 1997)
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